Verdingkinder & Heimkinder Gedenkstätte Mümliswil

Verdingkinder_Gedenkstätte

Eröffnung erste Nationale Gedenkstätte Mümliswil … Das Kinderheim Mümliswil öffnet seine Tore als erste Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder in der Schweiz.

Das ehemalige Kinderheim Mümliswil

Die erste Nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder ermöglicht Interessierten sich vor Ort ein Bild über die früheren Missstände in der Schweiz zu verschaffen. Die Gedenkstätte ist ein Zeichen gegen das Vergessen, gegen das Verdrängen und gegen die Unmenschlichkeit, mit der die geschätzten 80’000 bis 100’000 Betroffenen während ihrer Jugend konfrontiert waren.

Historischer Überblick

Das unmenschliche Verdingkindersystem, das schon Jeremias Gotthelf Im Jahr 1837 anprangerte, hielt sich bis in die 1970er Jahre, während die Kinderarbeit in schweizerischen Fabriken 1877 verboten wurde.

Bis in die 1930er Jahre mussten kleine Spazzacamini aus dem Tessin und anderen Alpentälern als Kindersklaven zur Reinigung von Kaminen in Oberitalien und Frankreich arbeiten.

Pro Juventute war beteiligt

Ein Grossteil der Kinder aus der Minderheit der Jenischen wurden von 1926 bis 1973 vom so genannten „Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“ der Pro Juventute systematisch und gewaltsam aus ihren Familien gerissen. Sie wurden isoliert in Heimen, als Verdingkinder oder als Adoptivkinder fremdplatziert, um sie ihrer Herkunftskultur zu entfremden. Mitbeteiligt an dieser Aktion waren auch der Kanton Schwyz und die Seraphischen Liebeswerke Solothurn, Zug, Luzern und Graubünden.

Wegen Verhaltensweisen, die heute gesellschaftlich akzeptiert sind, wie Schminken, nächtlicher Ausgang in Tanzlokale oder frühe Freundschaften, wurden bis zur Aufhebung der menschenrechtswidrigen Gesetze zur administrativen Versorgung im Jahr 1981 viele Jugendliche ohne Gerichtsurteil jahrelang in Strafanstalten gesperrt …

… beispielsweise ins Frauenzuchthaus Hindelbank, aber auch in viele andere Strafanstalten und Zwangsarbeitsanstalten wie Bellechasse, Witzwil, St. Johannsen, Schachen Deitingen Kappel, Rossau, Kaltbach, Bitzi, Kalchrain, Kreckelhof, Realta usw..

Dort waren auch viele Erwachsene administrativ interniert. Alle administrativ Internierten und die meisten Verding- und Heimkinder mussten unter Zwang und Schikanen ohne Lohn harte Arbeit leisten. Oft litten die Gesundheit und die Ausbildung der Betroffenen darunter. Administrativhaft wird in der Schweiz nach wie vor durchgeführt, und zwar gegen Ausländer, denen kein Aufenthaltsrecht in der Schweiz zugebilligt wird; sie können bis zu 18 Monaten in Haft genommen werden, sollten aber in weniger streng geführten Gefängnissen inhaftiert werden als Strafgefangene, was kantonal unterschiedlich gehandhabt wird. (Siehe dazu die Website der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter, Rubrik Ausländerrechtliche Administrativhaft). Von der ausländerrechtlichen Administrativhaft sind auch Jugendliche ab 15 Jahren und junge Erwachsene betroffen.

Erst im April 2013 hat sich der Bundesrat bei den ehemaligen Verdingkindern für das begangene menschliche Unrecht entschuldigt. Justizministerin Simonetta Sommaruga bezeichnete im Namen der Schweizer Regierung den früheren Umgang mit Verdingkindern als eine Verletzung der Menschenwürde, die nicht mehr gutzumachen sei.

Gedenkstätte für Heimkinder durch Guido Fluri

Guido Fluri (46) ist Unternehmer im Kanton Zug. Der Multi-Millionär ist verheiratet und hat 3 Kinder. Geboren wurde er im Solothurner Thal, als unehelicher Sohn einer 17-jährigen Serviertocher. Als Heimkind verbrachte er eine Zeitlang im Kinderheim Mümliswil, das er vor einigen Jahren gekauft hat, um eine Gedenkstätte daraus zu machen.

Die späte Entschuldigung zeigt, wie schwer sich die Schweiz mit diesem dunklen Kapitel ihrer Geschichte immer noch tut. Erst seit einigen Jahren wird das Schicksal der Heim- und Verdingkinder nicht mehr tabuisiert. Unter anderem hat es der Film «Der Verdingbub» 2011 aufgegriffen.

Ein Teil der Gedenkstätte …

… ist eine umfangreiche Ausstellung, die Einblick in die von der Stiftung in Auftrag gegebene historische Aufarbeitung gibt. Sie umfasst zahlreiche Dokumente und Bilder, welche die Situation der damaligen Heim- und Verdingkinder für die Besucher sicht- und nachvollziehbar machen.

Die Ausstellung gibt Einblick in die von der Stiftung in Auftrag gegebene historische Aufarbeitung Kinderheime Schweiz
Der Vortragssaal für Vorführungen und Referate zum Schicksal der ehemaligen Verdingkinder
Ein Zimmer zeigt die Lebensumstände der ehemaligen Bewohner des Kinderheims
Ständerat Joachim Eder, Sculpteur Stephan Schmidlin und Guido Fluri vor der Skulptur „Weggeschaut“

Gedenkstätte Mümliswil | Kinderheim-Schweiz.ch | SRF.ch/Gedenkstätte

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